VORBERICHT ZUM SCHUTZ DER BRAUNÄREN DER RUMÄNISCHEN KARPATEN UND DER NOTWENDIGKEIT DER ERSTELLUNG EINES NEUEN ABSCHUSSPLANS ZUR JAGDSAISON 2003-2004

Durch übermäßige Jagd und verantwortungslose Wildbewirtschaftung ist die Bärenpopulation aus biologischer Sicht auf gefährlich wenige Individuen gefallen. Deswegen müssen wir in den folgenden Jahrzehnten in den rumänischen Karpaten mit ihrem teilweisen oder völligen Verschwinden rechnen. In den letzten 3–4 Jahren fiel die rumänische Bärenpopulation – und damit die Population des Komitats Harghita mit 60 % – wegen der ungesetzlichen Methoden des Staatlichen Forstmonopols und des Rumänischen Staatlichen Jagdverbands.

Aus diesem Grund wurde durch die Fundation „Aves” eine nationale Kampagne zum Schutz des Braunbären (Ursus arctos arctos) in den Karpaten begonnen. Deren erster Teil war die Erforschung der Risikofaktoren, die zur Bestandsverminderung der rumänischen Braunbär-Population führten.

Mit konkreten Zahlen können wir nur für das Komitat Harghita dienen, wo wir unsere eigene Forschungsmethoden für die Zählung des Bärenbestands verwendeten. Das Forschungsgebiet erstreckt sich über ungefähr 100.000 Hektar und die Ergebnisse können als Muster für die anderen rumänischen Gebiete, in denen noch Bären leben, verwendet werden.

Nach den amtlichen statistischen Daten betrug der Bestand der Bären unseres Staates am Ende der Jahre 1988–89 7.780 Individuen, von denen 1.185 Bären im Komitat Harghita, einem typischen karpatischen Lebensraum, gelebt haben. Die statistischen Daten zeigen uns, dass der Bestand von 8.000 Bären in einem Jahrzehnt um 31 % zurückgegangen ist und 1997 nur 5.366 Exemplare existierten. Die statistischen Ergebnisse vom Komitat Harghita sind noch erschreckender: In zehn Jahren hat der Bärenstand um 48% abgenommen, von den 1989 lebenden 1.185 Bären lebten 1997 nur noch 615 Exemplare.

In den folgenden Jahren war diese Abnahme noch drastischer und 2003 belief sich der Bestand auf 250-260 Exemplare – das sind 935 weniger als 1989. Wie sind diese amtlich gezählten Bären vom Harghita-Berg verschwunden, und wer ist schuld daran?

Um das Versäumnis und die Schuld einiger ungesetzlich tötender amtlicher und rechtlicher Personen zu stützen, haben wir die Tätigkeit der fünf Jagdvereine in unserem Komitat untersucht. In allen Jagdrevieren haben wir Situationen gefunden, in denen die rechtlichen Personen die Jagdgesetze übertreten haben. In zwei Gebieten sind wir auf groben Missbrauch der Gesetze gestoßen. Ständige Überschreitung der Jagdgesetze haben wir bei zwei Einrichtungen gefunden:

  • Das Staatliche Forstmonopol durch die Staatliche Forstleitung von Miercurea-Ciuc, einem Gebiet, das durch das Forstamt von Zetea administriert ist.
  • Der Landesverband der Jäger von Rumänien durch den Jagdverein „Târnava Mare” – in allen von ihm gepachteten Jagdgebieten.
Die begangenen Ungesetzlichkeiten sind sowohl für die nationalen Interessen Rumäniens wie für das Bild unseres Landes im Ausland schädlich, weil sie zur Ausrottung des Bärenbestands führen – mit solch unverschämten Mitteln, die von den auch von Rumänien unterschriebenen internationalen Konventionen verboten sind.

Am Mustergelände des Komitats Harghita hat die Fundation „Aves” folgende auf die Bärenjagd bezogene Ungesetzlichkeiten bemerkt:

  • Unrealistisch hohe Abschusszahlen
  • infizierte – als Köder benutzte – Tierkadaver
  • Infizierung von Haustieren durch für die Anlockung der Bären ausgebrachte Tierkadaver
  • Benutzung von geschlossenen Anständen für die Bärenjagd
  • Bärenjagd in Höhlen (Jagd in den Winterquartieren).
  • Verantwortungslose ungesetzliche Wildwirtschaft
  • Die ungenügende Fachbildung der Jagdhüter (insgesamt nur 30 Tage Fachausbildung)
  • Wilderei
  • Abschlachten der trächtigen Muttertiere, im Herbst oder im Frühling, während die kleinen Bärenjungen in der Höhle sind.
  • Gefangennahme von jungen Bären zur illegalen Haltung.

Wegen der für die Eingabe zur Verfügung stehenden kurzen Zeit fassen wir nur die Tatsachen des ersten Punktes zusammen. Die anderen Ungesetzlichkeiten werden wir in einer zukünftigen Meldung analysieren.


UNREALISTISCH HOHE ABSCHUSSZAHLEN

Anhand der Analyse der bewilligten Abschusszahlen der Verordnung des Ministeriums für Landwirtschafts-, Forst-, Wasserangelegenheiten und Umweltschutz – Nummer: 668/11, September 2003 – kann man deutlich zeigen, dass die Zahlen der Bären unrealistisch sind, weil die Daten wegen der persönlichen Interessen der Jäger viel höher als die normalen Abschusszahlen sind.

Für die Jagdsaison 2003/2004 wurde im Komitat Harghita der Abschuss von 74 Bären bewilligt, das bedeutet 38 % des jetzt im Komitat lebenden Bestands, der 250 Exemplare zählt. Betrachtet man die Bewilligung von 10 Bären für den Jagverein „Târnava Mare” und 29 Bären für die Forstleitung von Miercurea-Ciuc, kann man feststellen, dass diese Zahlen viel größer sind, als von der gesetzlichen optimalen Abschusszahl vorgeschrieben.

Nach dem geltenden Gesetz darf man einen von zehn Bären abschießen. Um die Abschussquoten festzulegen, sollen die Jagdhüter die in den Winterrevieren lebenden Bären pünktlich zahlen. Diese Zahl teilt man durch 10, denn das Lebensalter des Bären, der erschossen werden kann, soll minimal 10 Jahren sein. Das Ergebnis ist die Abschussquote: Im Komitat Harghita sollten das nicht 74, sondern 25 sein!

Die Jagdhüter haben die im Gebiet lebenden Bären nicht gezählt. Das zeigen die offiziellen Tagebücher und Protokolle, und die Leitung hat – ohne pünktlichen Daten der Geländeerhebung – einen intellektuellen Schwindel durch die Überschätzung des Bärenbestands begangen. Der Effektivbestand der Bären wurde im Büro „festgestellt” und auf Grund von Beobachtungen, die man nicht in den Winterrevieren gesammelt hat.

Die Bären wurden auch in lediglich von ihnen durchwanderten Gebieten registriert, die keine für sie charakteristischen Lebensräume darstellen. Nach Nahrung suchend kann ein Bär in einer Nacht 15–20 km zurücklegen, und alle Jagdhüter, die seine Fährten bemerken, registriert ihn mehrmals – im Hügelland fast dreimal – um auf größere Abschusszahlen zu kommen. Nach der Analyse der aufgrund der oberflächlichen Schätzung bewilligten Abschusszahlen haben wir festgestellt, dass die Jagdhüter Bären auch dort registrierten, wo sie gar nicht leben, aber sie werden dann dort abgeschossen, wo sie tatsächlich vorkommen. Diese ungesetzliche Methode hat ihren Ursprung in persönlichen und materiellen Interessen zur Erzielung finanzieller Gewinne aus dem Abschuss von Bären: Ein Bär kostet 7.000 Euro, also haben die im Komitat für den Abschuss freigegebenen 74 Bären einen Wert von 500.000 Euro, der mit den anderen Jagdgebühren zusammen 2.000.000 Euro erreicht. Diese hohe Summe zeigt uns konkret die Höhe dieser Korruption unter den rechtlichen Personen, die sich mit der Jagd professionell beschäftigen.

Nach unserer eigenen Zählung beträgt die Zahl der Bären, die man auf dem Gelände des Jagdvereins „Târnava Mare” abschießen darf, 1–2 Exemplare und auf dem von der Staatlichen Forstleitung „Miercurea Ciuc” bewirtschafteten Gebiete müssten es 7–8 Exemplare sein. Die Differenz zwischen den zwei Abschusszahlen wurde ungesetzlich bewilligt.

Die Forschungen der Fundation „Aves” haben gezeigt: In diesem Fall ist nicht nur das Ministerium schuldig, sondern auch die korrupten Personen unseres Komitats, die auf direkte Weise für die Schätzung des Effektivbestands der Bären verantwortlich sind und die Anträge der Jäger fürs Ministerium vorlegen. Diese Anträge haben im Ministerium vorgelegen, ohne die Glaubwürdigkeit der Komitatsämter zu kontrollieren. Für diesen Schwindel und für das ungesetzliche Abschießen der Bären sind folgende Personen verantwortlich: die Präsidenten und Direktoren einiger Jagdvereine, der Präsident des Landesverbands der Jäger von Rumänien, die Direktoren einiger Forstämter, der Direktor der Forstleitung von Miercurea Ciuc, die Leitung des Staatlichen Forstmonopols, das Forst- und Jagdinspektorat des Komitats Harghita – genau dieses Organ soll die Einhaltung der Jagdgesetze kontrollieren.

Aus dem obigen Grunde bitten wir höflichst, haben Sie die Güte, neue dringende Maßnahmen zum Schutz der Bärenbestände anzuordnen und die Schuldigen zu identifizieren. Wenn ihre Schuld nachgewiesen wird, bitten wir, dass sie ihrer jetzigen Ämtern enthoben und vor Gericht gestellt werden – mit der Anklage: Korruption und Missbrauch.

Allein im Komitat Harghita können diese Leute in der Jagdsaison 2003/2004 durch ungesetzlichen Abschuss der Bären den rumänischen Staat um 400.000 Euro schädigen.

Wenn diese Personen, die für abgeschossene Tiere – die nach den europäischen, von Rumänien auch untergeschriebenen Gesetzen geschützt sind – verantwortlich sind, nicht gerichtlich belangt werden, wenden wir uns an das Europäische Parlament und unsere Stiftung wird die rumänischen und ausländischen Massenmedien und Umweltschutzorganisationen informieren.

Oderhellen, am 25. November 2003

    László Szabó-Szeley
    Präsident